Silbersalz und Bleikristall
Auf den ersten Blick wirken die Fotogramme Annette Grotkamps wie naturwissenschaftliche Klassifizierungstafeln, Röntgenbilder oder historische Mikroskop-Fotografien.
Sie erinnern an die vor rund 170 Jahren entstandenen Arbeiten der Botanikerin Anna Atkins, an die wissenschaftlichen Monografien Ernst Haeckels oder den fotografisch festgehaltenen Blick Hans Hauswaldts durch sein Mikroskop.
Bei dem analogen Verfahren des Fotogrammes legt die Künstlerin gläserne Gegenstände, Pflanzen, Plastikmüll und ähnliches direkt auf das Fotopapier und belichtet dieses.
Das Durchleuchten des Materials läßt die innere Struktur der Dinge sichtbar werden und bringt damit eine ihnen innewohnende, verborgene, oftmals organisch wirkende Wesenhaftigkeit hervor.
Grotkamp spielt mit dem kollektiven Bildgedächtnis des Betrachters.
Indem sie banale Alltagsgegenstände katalogisiert und dafür eine Präsentationsform wählt, die mittels Bildaufbau und -komposition, den Anschein einer historischen Wissenschaftlichkeit erweckt, hinterfragt und persifliert sie die hierarchischen Klassifizierungssysteme des 19. Jahrhunderts.